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(FRE) 2. Mai 2005
„Hitleriada Furiosa, Hitleriada Macabra“
Deutsches Polen-Institut präsentiert zwei Karikaturenzyklen zum 100. Geburtstag von Stanislaw Toegel / Scharfe Satiriker wider die Nazi-Diktatur / Schau läuft noch bis 31. Mai im Haus Deiters / Anonymer Spender übergab verschollen geglaubte Werke ans Stadtarchiv Dortmund
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Mit spitzer Feder gegen den Nazi-Terror: Das Deutsche Polen-Institut zeigt die Werke des großen Karikaturisten Stanislaw Toegel.
Foto: Polen-Institut |
Pünktlich zum 60. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus zeigt das Deutsche Polen-Institut eine interessante Ausstellung mit den Arbeiten des polnischen Karikaturisten und Antifaschisten Stanislaw Toegel. Titel der Schau: „Hitleriada Furiosa, Hitleria Macabra“. Der Zeichner und Widerstandskämpfer Toegel nahm Hitler und die Nazis schon während des Zweiten Weltkriegs mit spitzer Feder aufs Korn. Seine Karikaturen einschlägiger wurden erst vor wenigen Jahren in Deutschland entdeckt.
Was das Deutsche Polen-Institut da präsentiert, ist eine einzigartige Karikaturen-Sammlung mit den Werken des polnischen Zeichners Stanislaw Togel (1905-1953): passend zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa lässt sich mit der Schau „Hitleriada Furiosa, Hitleriada Macabra“ nicht nur ein Stück Zeitgeschichte im Spiegel der politischen Karikatur bewundern.
Vielmehr kann der Betrachter eine wahre Perle polnischer Zeichenkunst bewundern und zudem etwas über eine bislang wenig bekannte Widerstandsform im von den Nazis von 1940 bis 1945 besetzten Polen erfahren.
Galt doch die Karikatur im deutsch besetzten Polen als eine wesentliche Form des Widerstands gegen das Nazi-Besatzungsregime: sei es in der Untergrundpresse, aber auch in den Offiziersgefangenen-, Straf- und nicht zuletzt den KZ-Lagern der Nazis.
Toegel erweist sich als Könner seines Fachs, als einer, der die Nazi-Größen als das entlarvt, was sie sind: grotesk anmutende, menschenverachtende Feinde von Freiheit, Menschenwürde und Demokratie.
Karikatur und Satire als Stilmittel gegen die verhasste Obrigkeit – mit Witz, beißendem Spott und bitterbösem Sarkasmus, mit Lachen und Schalk im Nacken wider den Terror der Nazis: Stanislaw Toegels Karikaturen-Zyklus im Haus Deiters, Sitz des Deutschen Polen-Instituts, zieht da alle Register der Zeichen- und Satire-Kunst.
Erst vor wenigen Jahren fand man – ausgerechnet im Land der Täter, in Deutschland – verschollen geglaubte, farbige Karikaturen von einschlägigen Nazi-Größen (Hitler, Goebbels, Göring u.a.) und zum Lageralltag: Es war ein ungenannt bleiben wollender, anoymer Spender, der dem Stadtarchiv Dortmund diese Kostbarkeiten überließ. All diese Funde stammten aus der Feder Widerstandskämpfers Stanislaw Toegel. Bereits 2002 war daher eine erste Werkschau "Hitleriada Furiosa, Hitleriada Macabra" in Dortmund zu sehen.
Toegel wurde vor 100 Jahren in Lemberg/Lwów/L’viv am 20. Juli geboren.
Seine Vorfahren stammten aus Schweden. Einer seiner Vorfahren war am Kaiserhof in Wien als Offizier tätig. Stanislaw Emil Toegel lebte mit Ehefrau Olga, geb. Freidenberg, in Jaworowo, ca. 40 km nordwestlich von Lwów (Lemberg).
Er absolvierte ein Jura-Studium, war nach dem Umzug nach Karszawa im Versicherungswesen tätig und verdingte sich zudem in seiner Lemberger Zeit als Redakteur zweier renommierter Tageszeitungen, "Dziennik Polski" und "Kurier Lwówski". Außerdem verfasste er für beide Blätter Feuilleton-Beiträge.
. 1939 zog er als Reserveoffizier der polnischen Armee gegen Hitlers Angriffskrieg zu Felde. Stanislaw Toegel geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft, konnte aber fliehen und gehörte sodann zu den Aktivisten der polnischen Untergrund- und Heimatarmee AK(Armia Krajowa).
Vermutlich war er in dieser Eigenschaft auch an Propaganda- und Sabotageaktionen gegen die Nazis beteiligt.
Offen ist, ob er auch Schöpfer des offiziellen Signets derselben war, das einen Anker zeigt, Symbol des „kämpfenden Polens“. Der Anker hatte in seinem oberen Teil den Buchstaben „P“ (für Polen) und im unteren Bereich den Buchstaben „W“ (für kämpfendes). Dieses Zeichen stand denn auch in zashlreichen polnischen Städten auf den Hauswänden im Frühjahr 1942.
Nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands gehörte er zu den Deportationsopfern der Nazis, die in ein Straflager nach Göttingen verschleppt wurden. Dort musste Toegel wie Tausende anderer in einer Papierfabrik Sklavenarbeit in Diensten Hitlers leisten.
Hier, in der Göttinger Zwangsarbeit unter brutalsten und menschenverachtenden Bedingungen, schuf er seine noch heute sehenswerten, exzellenten und treffsicheren Bilderzyklen.
Nach der Befreiung im Frühjahr 1945 lebte er eine Zeitlang in einem Displaced Persons-Lager in Osnabrück (also eines Lagers für ehemalige Zwangsarbeiter-Opfer des NS-Regimes): Dort gab er gemeinsam mit anderen eine eigene Lagerzeitschrift heraus, in der er seine während der NS-Herrschaft entstandenen Karikaturen unter dem Pseudonym „Szafa“ veröffentlichte.
Der Verleger Anton Markiewicz gab unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs, in den Jahren 1945/46, in Celle zwei Karikaturenzyklen Toegels unter dem Titel „Hitleriada Furiosa“ (12 Bilder) und „Hitleriada Macabra“ (10 Bilder) heraus. Dies sollte damals der politischen Aufklärung dienen.
Die Schau des Deutschen Polen-Instituts In Darmstadt präsentiert insgesamt 19 dieser erhalten gebliebenen Karikaturen, drei Werke des zweiten Zyklus gelten allerdings unwiederbringlich als verschollen. Ermöglicht hat die Schau die Sammlerin Regina Zienczyk, in deren Besitz sich die beiden Zyklen heute befinden.
Stanislaw Toegel, ein Satiriker von internationalem Format, kehrte erst 1947 wieder in seine polnische Heimat zurück. Er starb früh, im Alter von nur 48 Jahren, 1953, im oberschlesischen Beuthen/Bytom.
Zur Ausstellung ist ein lesenswertes Katalogheft erschienen (Preis: 5 Euro).
29. April – 31. Mai 2005
Deutsches Polen-Institut Darmstadt, Haus Deiters, Mathildenhöhweg 2
Di – So 11 bis 17 Uhr.
Weitere Informationen:
www.deutsches-poleninstitut.de
www.art-division.de/Stanislaw-Toegel/info.html
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Der "große" Diktator: Stanislaw Toegel zeigt Hitler inmitten der Trümmer seines Raub- und Eroberungskriegs.
Bild: Polen-Institut
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Prangert mit seinen Zeichnungen die Nazi-Verbrechen an: Stanislaw Toegels schonungslose Lager-Bilder.
Bild: Polen-Institut
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