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"Talk statt Politik?"

Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung veranstaltet Darmstädter Herbsttagung: „Verschwindet die politische Rede?“ / Büchner-, Merck- und Freud-Preisverleihung am 5. November


Sloterdjik

Erhält den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa: Der Philosoph Peter Sloterdijk.
Foto: Internet

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt veranstaltet vom 3. bis 5. November ihre traditionelle Herbststagung. Im Blickpunkt steht in diesem Jahr ein ebenso spannendes wie brisantes Thema: „Talk statt Politik – Verschwindet die politische Rede?“. Höhepunkt der Tagung ist am Samstag, 5. November, die Verleihung des Georg-Büchner-Preises, der 2005 an Brigitte Kronauer geht. Der Schriftsteller und Psychoanalytiker Hans Keilson erhält den Merck-Preis für literarische Kritik und Essay, während der Philosoph Peter Sloterdijk den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa entgegennimmt.

Der literarische Herbst strebt seinem Höhepunkt zu: Anfang November – vom 3. bis 5. November trägt die traditionsreiche Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die ihren Sitz in der Literaturstadt hat, ihre vielbeachtete Herbsttagung aus.

Zur öffentlichen Veranstaltung am Donnerstag, 3. November, kommen Uwe Pörksen, Professor em. für deutsche Sprache und ältere Literatur und Vizepräsident der Deutschen Akademie, der Journalist und Historiker Gustav Seibt sowie Wolfgang Thierse Kulturwissenschaftler, Germanist und frisch gewählter Vize-Präsident des Deutschen Bundestags. Alle drei referieren zum Thema „Demokratische Rede“. Termin: 19 Uhr, Institut Mathildenhöhe, Olbrichweg 3.

Tags darauf, Freitag, 4. November, tagen die Mitglieder der Akademie von 10 Uhr an im Darmstädter Maritim Konferenzhotel in der Rheinstr. Um 16 Uhr folgt die nicht minder spannende öffentliche Veranstaltung „Talk statt Politik?“ – ebenfalls im Institut Mathildenhöhe, Olbrichweg 13. Teilnehmer der Podiumsrunde sind der Verleger Arnulf Conradi, der TV-Produzent und Journalist Friedrich Küppersbusch („ZAK“) und Michael Naumann, einst Kulturstaatsminister der Schröder-Regierung, Verleger, heute Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Moderation übernimmt Martin Bauer, seines Zeichens Redakteur der Zeitschrift "Mittelweg 36" des Hamburger Instituts für Sozialforschung.

Höhepunkt der Herbsttagung der Akademie ist traditionell die Verleihung des Büchner-Preises, der bedeutendsten Literaturauszeichnung in Deutschland. Die Auszeichnung geht in diesem Jahr an die 65jährige Schriftstellerin Brigitte Kronauer („Teufelsbrück“). Sie gilt als eine der bedeutendste Sprachstilistinnen der deutschen Gegenwartsliteratur.

Brigitte Kronauer gilt als präzise und sinnliche Beobachterin, die, wie die das Hamburger Abendblatt schreibt, "in ihren Romanen und Erzählungen gegen die Entzauberung der Welt anschreibt.

1986 kam ihr von der Kritik hochgelobter Bildungsroman "Berittener Bogenschütze" heraus. Die Handlung: Der Literaturwissenschaftler Matthias Roth ist Junggeselle und führt in einer Universitätsstadt in der Provinz ein beschauliches Leben. Er beschäftigt sich mit Joseph Conrads Theorie, daß nicht Liebe, sondern Leere das Eigentliche im Leben ausmache, und bleibt doch immer auf der Suche. Im Umgang mit Frauen wie Gisela, der Frau seines Freundes, die zum Objekt seiner heimlichen Leidenschaften wird, Marianne, der realistischen Studentin und Frau Bartels, seiner Vermieterin, versucht Roth, Wurzeln im Alltag zu finden. Eine Person, die man nicht leicht vergißt, weder als Zeitgenossen noch als Kunstfigur“, lobte der Berliner Tagesspiegel.

Besonderes Merkmal ihrer Werke: sprachliche Kunstfertigkeit, Sicherheit des Stils und Originalität der Beobachtung. "Musikalität und Farbenreichtum auch durchs Einkleben und Anbauen des Weggeworfenen und Schnoddrigen", schrieb die FAZ übers "beflügelnde Elixier" Kronauerscher Sprachkunst.

Nicht minder beachtenswert sind jedoch die beiden Preise, die immer ein wenig im Schatten des Büchner-Preises stehen: So erhält in diesem Jahr der Schriftsteller und Psychoanalytiker Hans Keilson den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Die Jury setzt damit ein besonderes Zeichen: Keilson, 1909 in Bad Freienwalde an der Oder geboren und deutscher Jude, musste nach dem Verbot seiner ärztlichen wie publizistischen Tätigkeit 1936 vor den Nazis fliehen. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg im Untergrund in den Niederlanden. Heute lebt er bei Amsterdam, wo er in seinem 96. Lebensjahr immer noch als Psychoanalytiker praktiziert. Sein Werk umfasst wissenschaftliche Veröffentlichungen, Portraits und Psychogramme aus der Zeit der späten Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und des Exils. Vor kurzem ist eine zweibändige Werkausgabe bei S. Fischer erschienen, in der Romane, Erzählungen, Gedichte sowie seine bemerkenswerten Essays versammelt sind.

Und der Philosoph Peter Sloterdijk erhält den ebenfalls mit 12.500 Euro dotierten Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. Sloterdijk wurde 1947 in Karlsruhe geboren, absolvierte ein Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte. Von 1980 an veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten zu Fragen der Zeitdiagnostik, der Kultur- und Religionsphilosophie, der Kunsttheorie und Psychologie. Seit 1992 ist er Professor für Philosophie und Ästhetik an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, seit 2001 ihr Rektor. 2004 schloss er mit dem Buch »Sphären III - Schäume« seine 1998 begonnene Trilogie ab. Zuletzt erschienen ist seine Abhandlung zur Globalisierung »Im Weltinnenraum des Kapitals« (2005, Suhrkamp). Bundesweit machte er nicht nur durch Debattenbeiträge von sich reden, sondern auch durch Fernsehauftritte im „Philosophischen Quartett“ des ZDF.
Hans Keilson

Bekommt den Johann-Heinrich-Merck-Preis für brillante Essays: Der Psychoanalytiker und Schriftsteller Hans Keilson.


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Herbsttagung 2005 Akademie für Sprache und Dichtung

Widmet sich dem brisanten Thema "Talk statt Politik?": Die Herbsttagung der Akademie für Sprache und Dichtung.


Plakat: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung

 


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