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Die WBG: Ein Darmstädter Bücherparadies

Seit 1953 in Darmstadt / Buchgemeinschaft mit 140.0000 Mitgliedern / 2.500 lieferbare Titel / „Unser Kundenzimmer in Darmstadt noch zu wenig bekannt“


wbg - benz

Die WBG wächst: Mit Über 2.500 lieferbaren Titeln ist der Darmstädter Buchclub eine Paradies für Bücherfreunde (unser Bild: WBG-Marketingchef Ralph Benz).
Foto: da facto (FRE)

Seit über 50 Jahren hat die Wissenschaftliche Buchgesellschaft (kurz: WBG) ihren Sitz in der Literatur- und Wissenschaftsstadt Darmstadt: Was 1949 als kleine Buchgemeinschaft, ist heute einer von Deutschlands führenden Verlage für sozial- und geisteswissenschaftliche, insbesondere historische Literatur. „Die WBG wächst“, so deren Marketingleiter Ralph Benz im DA FACTO-Exklusivinterview. Mit 140.000 Mitgliedern ist diese einzigartige Buchgemeinschaft heute so groß wie ganz Darmstadt – „sogar auf den Fidschi-Inseln gibt es wbg-Mitglieder“. Kaum bekannt: Darmstädter können kostenlos das gesamte, inzwischen 2.500 lieferbare Titel umfassende Programm durchstöbern, im verlagseigenen „Kundenzimmer“.


„Wir würden uns freuen, wenn die Darmstädter Bürgerinnen und Bürger das Angebot unseres Kundenzimmers in Zukunft noch intensiver nutzen würden“, so der Marketingleiter der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG), Ralph Benz im DA FACTO-Gespräch. Was drinnen bei der WBG als „Kundenzimmer“ firmiert, ist draußen kaum bekannt: Alle Interessierten können hier in den Räumen des Verlagssitzes (Eingang Riedeseelweg, 1. Stock, gleich rechts) kostenlos und unverbindlich in allen Titeln der Buchgesellschaft schmökern.

Seit 1953 hat die WBG ihren Sitz in Darmstadt: Zuerst in der Schöfferstraße 15, dann – seit dem Jahre 1955 – in der Hindenburgstraße 40 / Ecke Riedeselstraße. Was 1949 in Tübingen als Nachkriegsgründung einiger Wissenschaftler begann und sich als Selbsthilfeorganisation verstand, ist noch heute als nicht-kommerzieller Verein und Verlag organisiert.

Im Mitteilungsblatt 10 der WBG von 1953, die damals noch den Namen Buchgemeinschaft trug, heißt es: „Am 25. März 1953 ist der Sitz der Wissenschaftlichen Buchgemeinschaft nach Darmstadt verlegt worden.“ Maßgeblich für diesen Beschluss sei die Tatsache gewesen, „dass durch das große Verständnis des Landes Hessen sowie der Stadt Darmstadt und der Leitung des Wiederaufbaus unsere WBG an diesem neuen Ort eine spürbare und wohlwollende Hilfe finden wird.“ Ausdrücklich gedankt wird dabei dem Magistrat der Stadt Darmstadt, vor allem Oberbürgermeister Ludwig Engel. „Die Wissenschaftsstadt Darmstadt passt sehr gut zu uns und wir zu ihr“, bekennt sich Benz zum Verlagssitz. Und: „Wir fühlen uns hier sehr wohl.“

Die WBG versteht sich als Gesellschaft zur Förderung von Wissen, Bildung und Kultur – mit der inzwischen gewaltigen von rund 2.500 Bücher aus über 20(meist) wissenschaftlichen Fachgebieten. „Alle Gewinne stecken wir wieder in unser Programm“, betont Benz den Buchclub-Charakter der WBG. Es sind heute 90 Mitarbeiter, die bei der WBG das komplette, äußerst facettenreiche und bibiliophile Programm stemmen: 2005 produzierte die Darmstädter Buchgesellschaft 300 Titel, darunter 180 Eigenproduktionen und 120 Lizenzen. Geschäftsführer Andreas Auth, Lektoratsleiter Dr. Dirk Palm und Marketingleiter Ralph Benz tagen mit ihren Mitarbeitern einmal die Woche, um neue Buchtitel zu planen und prüfen. Die WBG nutzt dabei auch Synergie-Effekte: Nennt die Verlagsmutter WBG doch zwei Töchter ihr eigen – den Theis Verlag in Stuttgart und den ebenfalls im Darmstädter Verlagshaus residierenden Primus-Verlag. Hinzu kommt noch der hauseigene Versand „Conlibro“. „Dadurch können wir oft billiger produzieren“, so der Tenor.

Im Verlagshaus der WBG sind alle Abteilungen, die es zur Bücherproduktion braucht, untergebracht: Vom Lektorat bis zur Herstellung, vom Marketing bis zum im weiträumigen Keller des ehemaligen historischen Marstalls deponierten Lagerbestand. Ob hier alle Bücher lagern, will der DA FACTO-Reporter wissen. Nein, kommt die Antwort, dazu reicht der Platz nicht. „Wir haben noch ein Außenlager in der Nähe von Darmstadt.“

Ein Herzstück der WBG ist das Kundencenter (neudeutsch Callcenter) der Buchgesellschaft: Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die Fragen und Bedürfnisse der WBG-Mitglieder. „Eigentlich“, sagt Ralph Benz, „sind bei uns die Mitglieder der Eigentümer des Verlags.“ Das WBG-Prinzip ist bis heute gleich geblieben: Gegen einen günstigen Jahresbeitrag (Berufstätige zahlen 11 Euro, Studierende/Schüler 5 Euro) können die Mitglieder nach Herzenslust im Programm wählen. Der Clou: Die Bücher der Darmstädter WBG sind etwa 25 Prozent billiger als im Buchhandel. Einzige Mitgliedspflicht: „Pro Jahr muss jedes Mitglied ein Buch bestellen, egal welchen Werts“, erklärt Marketingchef Ralph Benz, seit drei Jahren in der Buchgesellschaft tätig, das Grundprinzip.

Zudem erhalten Mitglieder Einladungen zu kostenlosen Vorträgen namhafter WBG-Autoren oder ermäßigte Eintrittspreise für ausgewählte Ausstellungen. „Das Gros unserer 140.000 Mitglieder ist akademisch vorgebildet“, erzählt Benz. Die Mitglieder aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, aber auch aus den USA, Kanada und Japan. „Wir versenden WBG-Titel bis zu den Fidschi-Inseln“, sagt Benz. Viele WBG-Mitglieder seien seit Jahrzehnten Mitglied – so etwa Papst Benedikt XVI.

Als Bestseller entpuppen sich immer stärker die aufwendig gemachten Ausstellungskataloge: Ob zur bundesweit vielbeachteten Bronzezeit-Schau „Der beschmiedete Himmel“ („Die Welt vor 3.600 Jahren“) in Halle, der Karlsruher und Stuttgarter Römer-Doppelausstellung „Imperium Romanum“ oder der in Kürze beginnenden Mannheimer Schau „Saladin und die Kreuzfahrer“ – immer wieder legt die WBG dazu aufwendig gestaltete, schön gemachte Kataloge vor, die bei den Mitgliedern auf positive Resonanz stoßen. Als Verkaufsschlager erweisen sich aber auch Reihen, von denen man dies nicht von vornherein erwarten konnte: etwa die zweisprachige Forschungsreihe „Edition Antike“ – mit klassischen Texten in deutsch und Latein oder Altgriechisch. Auch gediegen gedruckte Bildbände über die Sahara und das Wattenmeer kommen gut bei der WBG-Mitgliedschaft an. Eine echte Überraschung: Dass auch die überformatige, wuchtige Bibel („Die Heilige Schrift des Neuen und Alten Testaments)– illustriert von Gustave Doré positiv einschlug.

Publikumsrenner sind aber auch Gesammelte Werke von Shakespeare, oder neuerdings verstärkt geologische Werke – sei es über Europa oder Deutschlands Landschaften des Autors Peter Rothe („Die Geologie Deutschlands). Und prachtvolle Bildbände wie „Die Metropolen der Antike“ zeigen, dass Wissenschaft hochspannend sein kann. Seit langem schon ein Renner: die traditionsreiche Reihe „Besondere Wissenschaftliche Reihe“ (kurz BWR) mit rund 20.000 Abonnenten. Zu den Highlights gehört auch die NS-Forschungsreihe der WBG – in enger Kooperation mit der Ludwigsburger Forschungsstelle. Hier erscheinen Werke wie „Die Gestapo“.

„Wir verstehen uns bei der WBG auch als Scout durch den Bücherdschungel, indem wir für unsere Mitglieder eine Vorauswahl treffen“, umschreibt Marketingschef Ralph Benz das Erfolgsgeheimnis der Darmstädter Buchgesellschaft. In der Stadt engagiert sich die Buchgesellschaft auch: Gemeinsam mit der Hochschul- und der Stadtbibliothek organisiert die WBG die populärwissenschaftliche Veranstaltungsreihe „Forum Wissen“. Und bundesweit sammelte man 80.000 Euro in Patenschaft für die niedergebrannte Anna-Amalia-Bibliothek zu Weimar. Und seit 1989 fördert die Gesellschaft mit dem WBG-Doktorandenstipendium gezielt den Nachwuchs. Thema 2006/07: „Europa der Zukunft“. Dotiert ist das Stipendium mit 800 Euro im Monat (Dauer: zwei Jahre) und der Aussicht, die Doktorarbeit im WBG-Programm veröffentlichen zu können.

Nicht genug damit: Sogar Bücher-Möbel wie z.B. Regale und Schmuck-Nachbildungen, aber auch Musik-CDs, Neue Medien wie E-Books und Kinder- und Jugendbücher runden die wunderbare Bücherwelt der WBG ab.

Das Darmstädter „Kundenzimmer“ der WBG ist montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Adresse: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Hindenburgstraße 40, Eingang Riedeselstraße. Servicenummer der WBG: (06151) 33 08 – 330.

Mehr Infos über die Wissenschaftliche Buchgesellschaft im Internet unter: www.wbg-darmstadt.de
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Kaum bekannt: Das Darmstädter Kundenzimmer der WBG - zum kostenlosen Schmökern.


Foto: da facto (FRE)

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Seit 1953 in Darmstadt: Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft mit heute 140.000 Mitgliedern.


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