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(FRE) 15. März 2006
Neues GSI-Beschleunigerzentrum bis 2012
Weg frei fürs Milliarden-Projekt „FAIR“: Magistrat und Stadtparlament beschließen Bebauungsplan / OB Walter Hoffmann: „GSI ist eins der Flaggschiffe der Wissenschaftsstadt“ / Naherholungsschneise Prinzenschanze bleibt erhalten
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Expandiert bis 2012 stark: Die Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt-Wixhausen.
Foto: dafacto (FRE) |
Im Darmstädter Norden entsteht bis 2012 das neue Beschleunigerzentrum „FAIR“ der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI): Dafür haben jetzt der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt und das Stadtparlament die Weichen gestellt. „Dies ist definitiv das größte wissenschaftliche Projekt der nächsten Jahre“, so Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann mit Blick auf den beschlossenen Bebauungsplan. Hoffmann: „Wir haben ein gesteigertes Interesse daran, dass die GSI hier gute Bedingungen vorfindet.“ Ziel des gewaltigen, 11,7 Hektar umfassenden Projekts in Wixhausen/Arheilgen: Die neue Beschleunigeranlage FAIR für die Forschung mit Antiprotonen- und Ionenstrahlen. Kosten: etwa 1 Milliarde Euro.
Er sei davon überzeugt, „dass das Projekt FAIR der GSI weit über Darmstadt hinaus Furore machen wird“, erklärte OB Walter Hoffmann. „Die GSI ist nicht umsonst eins unserer wissenschaftlichen Flaggschiffe in der Wissenschaftsstadt Darmstadt“, so das Stadtoberhaupt. Hoffmann sprach denn auch von einem „ungewöhnlichen Bebauungsplanverfahren“. Von Anfang an seien alle Betroffenen intensiv beteiligt gewesen. Hoffmann dazu: „Interessierte Bürgerinnen und Bürger können die Pläne und Dokumente zum Projekt FAIR detailliert unter www.darmstadt.de in der Rubrik ‚Parlamentsinformationssystem‘ nachlesen.“ Diese Transparenz entspreche auch „der Grundlinie unserer offenen und bürgernahen Stadtpolitik.“
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hatten bereits zuvor grünes Licht fürs neue GSI-Beschleunigerzentrum gegeben: „Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung von FAIR erfüllt“, sagte Darmstadts Bau-, Verkehrs- und Liegenschaftsdezernent Dieter Wenzel.
Der städtische Bebauungsplan für FAIR umfasse eine Fläche von 68 Hektar östlich der bestehenden GSI in Darmstadt-Wixhausen, so Wenzel. Die darin vorgesehene bebaubare Fläche beträgt 11,7 Hektar.
Stadtrat Dieter Wenzel betonte, dass man zwar 20,85 Hektar Wald für FAIR roden müsse, „wir aber anschließend 15,5 Hektar auf dem Gelände wieder aufforsten und rekultivieren.“ Auch sollen laut Stadtplanungsamt bestehende Wald- und Grünflächen ökologische Aufwertung erfahren ebenso wie die Dach- und Fassadenbegrünung der FAIR-Gebäude.
Kern des geplanten Beschleuniger-Bauvorhabens: Die Errichtung eines unterirdischen
Beschleunigertunnels. „Wir tun dies in offener Bauweise unter besonderer Beachtung des Strahlenschutzes, des Grundwasserschutzes und des Eingriffs in den vorhandenen Waldbestand“, erklärte dazu Prof. Walter Henning, Geschäftsführer der GSI. So habe der unterirdische Beschleunigungsring einen Durchmesser von etwa 400 Metern, bilde ein Sechseck mit sechs geraden Abschnitten von jeweils 120 Metern Länge. Dazwischen lägen sechs Kreissegmente mit einem Kurvenradius von rund 100 Metern.
Der Beschleunigerring selbst kommt auf stattliche 1.200 Meter Länge.
„Das Zukunftsprojekt der GSI stellt einen wichtigen Baustein zur Stärkung und Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Darmstadt dar“, sagte Dezernent Dieter Wenzel. Noch ausstehe die Genehmigung des Bebauungsplans durch das Regierungspräsidium Darmstadt.
Geht alles nach Plan, könnte der Bau noch Ende 2007 beginnen: In mehreren Phasen will die GSI das auch finanziell ambitionierte Projekt, an dem der Bund und elf europäische Länder beteiligt sind ebenso wie das Land Hessen und private Partner, die FAIR-Anlage bis zum Jahr 2014 verwirklichen. 10 Prozent trägt das Land,65 Prozent steuert der Bund bei.
Auch die beiden GSI-Geschäftsführer Prof. Walter Henning und Dr. Alexander Kurz zeigten sich sehr zufrieden mit dem Stand der Dinge: „Der fertige Bebauungsplan ist
ein erfreulicher Tag für uns, aber auch ein wichtiger und notwendiger Schritt“, so Henning. Im Zuge von FAIR soll denn auch die Zahl der weltweiten GSI-Nutzer von heute 1100 auf etwa 2.500 steigen. Auch die Zahl der GSI-Belegschaft steigt in den letzten Jahren rasant: Derzeit knapp über 1.000 Beschäftige, dank FAIR wohl bald an die 1.200.
Insbesondere lobte er die „absolut kooperative Zusammenarbeit auf höchstem sachlichen Niveau“ mit den Fachämtern der Stadt unter Federführung des Stadtplanungsamts.
Henning: „Das neue Forschungszentrum bedeutet eine substantielle Erweiterung der GSI.“
Nach den Worten Hennings soll die Strahlen-Schnelligkeit durch FAIR um den Faktor 20 höher werden als die bisherige Energie. Das Kürzel FAIR steht im übrigen für „Facility for Antipron and Ion Research“ – zu deutsch: Anlage zur Forschung mit Antiprotonen- und Ionenstrahlen. „FAIR wird Ionen- und Antiprotonenstrahlen in bisher unerreichter Intensität und Qualität liefern“, so GSI-Pressesprecher Dr. Ingo Peter. Diese unverzichtbare Grundlagenforschung werde wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung des Universums und den Aufbau von Materie liefern.
„Ohne Grundlagenforschung können wir keine neue Ideen für Anwendungen erhalten“, erzählt Peter im DA FACTO-Gespräch. Mit FAIR könne die GSI künftig 10.000 mal mehr Teilchen pro Sekunde via Beschleunigung erzeugen.
Denn durch die rasante Beschleunigung lassen sich bisher unbekannte Atomkerne erzeugen. Kleinste Teilchen also, die laut GSI eine Schlüsselrolle bei der Entstehung chemischer Elemente spielen.
„Wir sind keine geschlossene Forschungseinrichtung, sondern bieten einen offenen, weltweiten Service für alle Universitäten, Forscher, Doktoranden und Studierende“, umreißt Sprecher Ingo Peter das Selbstverständnis der Gesellschaft für Schwerionenforschung. Die neue Anlage FAIR werde weltweit einzigartige Forschungsmöglichkeiten eröffnen. Gegründet wurde die GSI 1969. Gesellschafter sind die Bundesrepublik Deutschland (zu 90 Prozent) und das Land Hessen (10 Prozent). Die europaweit einzigartige Forschungsstätte verfügt über ein Jahresbudget von 70 Millionen Euro und hat etwa in der Gehirntumor-Heilung international für Aufsehen gesorgt. Weltweit kooperiert man mit etwa 150 Instituten aus 30 Ländern. Die GSI betreibt bereits jetzt eine weltweit einmalige Beschleunigeranlage für schwere Ionen. Damit bringen die GSI-Forscher Ionenstrahlen auf Beinahe-Lichtgeschwindigkeit.
Ein wichtiger Punkt der intensiven Bürgeranhörungen aus Wixhausen und Arheilgen fand bei der konkreten Planung seinen Niederschlag: Trotz der unumgänglichen Waldrodungen bleibt die beliebte Naherholungsschneise, die sogenannte Prinzenschanze zwischen Wixhausen und Messel, weitgehend erhalten. Zur Präsentation der GSI-Pläne waren daher eigens die beiden Bezirksverwalter der betroffenen Stadtteile gekommen: Andreas Schmidt (Arheilgen) und Bernd Henske (Wixhausen).
Weitere Infos unter:
www.gsi.de.
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Lobt die "absolut kooperative Zusammenarbeit" mit der Stadt: GSI-Geschäftsführer Prof. Walter F. Henning.
Foto: dafacto (FRE)
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Stellt die Weichen fürs Zukunftsprojekt FAIR: Der städtische, jetzt beschlossene Bebauungsplan für ein neues GSI-Beschleunigerzentrum.
Grafik: GSI
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